Ein neues Gutachten zeigt: Gleich acht Abschalteinrichtungen machen Mercedes-Dieselfahrzeuge schmutziger als erlaubt.

Neues Gutachten: Acht Abschalteinrichtungen bei Daimler

Acht Abschalteinrichtungen

Im Daimler-Abgasskandal zeichnet sich eine Trendwende für betroffene Dieselfahrer ab. Nach einem neuen Gutachten, das die Deutsche Umwelthilfe (DUH) jetzt präsentiert, kommen in einer Mercedes-E-Klasse acht bisher offenbar unbekannte, mutmaßlich unzulässige Abschalteinrichtungen zum Einsatz.

Laut dem Gutachten werde damit die wirksame Abgasreinigung durch den verbauten SCR-Katalysator reduziert. Die Stickoxid-Emissionen auf der Straße sind bis zu 500 Prozent höher als gesetzlich vorgeschrieben.

Das Gutachten wurde von dem Kfz-Software-Experten Felix Domke im Auftrag einer US-amerikanischen Rechtsanwaltskanzlei, die im Abgasskandal tätig ist, erstellt.

Update 24.11.2021: Das Kraftfahrt-Bundesamt gibt an, dass diese Abschaltreinrichtungen längst bekannt gewesen seien. Man sehe hier demnach keinen Hinweis auf unzulässige Abschalteinrichtungen.

„Unnötige große Mengen Stickoxide“

„Die gefundenen Abschalteinrichtungen aktivieren sich in Fahrsituationen, die auf der Straße üblich sind“, so Felix Domke. „Bereits bei normaler Fahrweise verhindert so gut wie immer mindestens eine Abschalteinrichtung die Verbesserung der Emissionen aktiv – auch wenn es physikalisch oder zum Motorschutz gar nicht notwendig ist. So wird die eingespritzte Menge an AdBlue deutlich reduziert, die zur Neutralisierung der Stickoxide im SCR-Katalysator dringend benötigt wird; ähnlich wird die Abgasrückführungsrate reduziert. Oft leistet dadurch die eigentlich fähige Abgasaufbereitungshardware nur einen Bruchteil der möglichen Leistung, das Fahrzeug stößt unnötig große Mengen Stickoxide aus.“

„Unsinnige Behauptungen der Autohersteller“

Umwelt- und Verkehrsexperte Axel Friedrich erklärt. „Die Behauptungen der Autohersteller, dass es durch die Fahrbedingungen zu hohen Schadstoffemissionen auf der Straße kommt, werden hier ad absurdum geführt. Es ist zu hoffen, dass auch die Gerichte den unsinnigen Behauptungen der Autohersteller keinen Glauben mehr schenken und den Autobesitzern endlich zu ihrem Recht verhelfen.“

Felix Domke war bereits als Sachverständiger für das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt in Bezug auf Untersuchungen von illegalen Abschalteinrichtungen tätig. Weiterhin arbeitete er als Sachverständiger beim parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum VW-Abgasskandal 2017.

Die Daimler-AG streitet bislang ab, unzulässige Abschalteinrichtungen bei Dieselfahrzeugen zu verwenden.

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