Abgasskandal bei Fiat

Der Abgasskandal hat die Wohnmobilbranche erfasst. Lesen Sie hier, welche Camper betroffen sind und welche Gerichte schon Schadensersatzzahlungen angeordnet haben.
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Welche Fiat-Motoren sind vom Dieselskandal betroffen?

Betroffen sind Fiat-Multijet-Motoren der Baujahre 2014 bis 2019 mit Euro 5 und Euro 6-Norm. Diese wurden in tausenden Fahrzeugen verbaut, auch in Kleinwagen und Transportern, wie z. B. dem Fiat-Ducato.

Weiterhin hat das KBA am 25. Februar 2021 unter dem Code 13T Modelle von Iveco-Daily, Baujahr 2015 bis 2019, zurückgerufen. Betroffen sind nach Angaben des KBA in Deutschland hier 872 Fahrzeuge. Als Begründung gibt das KBA hier zurückhaltend an: „Durch eine ungeeignete Software können Störungen auftreten, durch die sich Verringerung von Stickoxiden ggf. verschlechtert.“

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen Fiat-Chrysler, zu zu dessen Marken Fiat, Jeep und Alfa Romeo gehören.

Offiziell im Visier der europäischen Behörden sowie des Kraftfahrt-Bundesamtes sind bis jetzt diese Modelle:

Fiat – 500x – 1956 ccm – 103 kW – Euro 6
Modelle von Iveco Daily
Fiat – Ducato – 2999 ccm – 130 kW – Euro 5
Jeep – Cherokee – 1956 ccm – 125 kW – Euro 5

Spektakuläre Urteile*

Besitzer darf Wohnmobil behalten

Laut diesem Urteil vom Landgericht Stade darf der Kläger sein Wohnmobil behalten (Urteil vom 17.08.2021, Az. 2 O 175/21) Das Gericht sprach dem Käufer eines Wohnmobils vom Hersteller Pilote einen sogenannten kleinen Schadensersatz in Höhe von 17.875 € zu. Der Besitzer gibt also sein Fahrzeug nicht ab, wie es bei den meisten Schadensersatzklagen der Fall ist. Er darf es weiterhin behalten und erhält dafür eine Art „Ausgleichszahlung“.

Fiat-Dieselkäufer bekommt neues Wohnmobil zugesprochen

Das Landgericht Oldenburg entschied: Ein Kläger erhält anstelle eines Schadensersatzes im Rahmen der zweijährigen Gewährleistungsfrist ein neues, typgleiches Wohnmobil vom Hersteller. (Urteil vom 02.09.2021, Az. 4 O 767/21). Hierbei ging es um einen Camper vom Ty Exsis T 768 von Hymer, gekauft im Jahr 2020. Verbaut war auch hier ein Fiat Ducato 2,3 Liter Motor. Der Kaufpreis betrug 69.900 €.

Weitere Gerichtsurteile im Camper-Abgasskandal*

NEU +++ Landgericht Frankenthal (Urteil vom 27.10.2021, Az. 5 O 40/21) – In dem Versäumnisurteil wurde dem Besitzer eines Wohnmobils „2Win“ des Herstellers Pössl Schadensersatz zugesprochen. Der Streitwert wurde mit Höhe des Kaufpreises auf 52.320 € festgesetzt.

Landgericht Heilbronn (Urteil vom 21.09.2021, Az. 11 O 13/21) – Dem Käufer eines Wohnmobils vom Typ  „Chic E line i49“ des Herstellers Carthago spricht das Gericht Schadensersatz zu. Die Höhe des Streitwerts liegt bei 107.800 €.

Landgericht Stade (Urteil vom 20.09.2021, Az. 2 O 121/21) – Das Gericht verurteilt Fiat zu einer Schadensersatzzahlung. Die Höhe des Streitwerts liegt bei 68.000 € für ein Wohnmobil vom Typ Matrix 670SL des Herstellers Adria.

Landgericht Schwerin (Urteil vom 15.09.2021, Az. 1 O 143/21) – Die Richter vom Landgericht Schwerin verpflichteten Fiat (Stellantis) zu einer weiteren Schadensersatzzahlung. Der Streitwert wurde mit  51.500 € beziffert. Bei dem Fahrzeug handelt es sich um ein Wohnmobil „T65“ des Herstellers Sunlight, Kaufjahr 2019.

Landgericht Görlitz (Urteil vom 11.05.2021, Az. 5 O 28/21) – Das Gericht spricht dem Besitzer eines Wohnmobils Challenger 398 XLB Special Edition auf Basis Fiat Ducato Schadensersatz zu.

Landgericht Gera (Urteil vom 31.05.2021, Az. 7 O 103/21) – Das Gericht spricht dem Besitzer eines Wohnmobils, Modell T 337 / Hersteller Carado Ducato, Schadensersatz zu. Die Höhe des Streitwerts beträgt 50.710,60 €.

Landgericht Stade (Urteil vom 15.04.2021, Az. 2 O 12/21) – Das Gericht spricht dem Besitzer eines Wohnmobils vom Hersteller Forster, Basisfahrzeug Fiat Ducato, 2,3-Liter-Motor, Euro 6b Norm Schadensersatz zu. Der Streitwert liegt bei 57.000 €.

Landgericht Nürnberg-Fürth (Urteil vom 09.07.2021, Az. 19 O 737/21) – Das Gericht spricht dem Besitzer eines Wohnmobils vom Typ Sun Ti 650 MF Platinum Selection (Knaus), mit Basisfahrzeug Fiat Ducato Schadensersatz zu. Der Streitwert wurde mit 63.350 € beziffert.

Landgericht Koblenz (Urteil vom 01.03.2021, Az. 12 O 316/20) – Das Gericht spricht dem Käufer eines Wohnmobils Schadensersatz in Höhe von 52.484,12 € zu. Das Wohnmobil vom Typ Roller Team Zefiro 266TL, gekauft im Jahr 2017, wird im Gegenzug zurückgegeben.

Testergebnis DUH: Abgaswerte 12-mal höher als erlaubt

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat einen Fiat Ducato 130 Multijet Euro 6 getestet. Das Ergebnis: Das Fahrzeug liegt hinsichtlich der Abgasnorm weit über den zugelassenen Grenzwerten.

  • Bei den Messungen überschritt das Fahrzeug den Euro 6 NOx-Grenzwert für leichte Nutzfahrzeuge von 125 mg/km bei Weitem.
  • Insbesondere bei einem Kaltstart und bei einer sinkenden Außentemperatur stiegen die NOx-Emissionen stark an.
  • Die Abgaswerte sind im Durchschnitt um das 12-fache höher als erlaubt.

Abgasskandal Fiat Wohnmobil

Die Wohnmobilbranche trifft der Abgasskandal besonders hat. Im Fokus steht derzeit das bei Campern beliebte Wohnmobil von Dethleffs „Esprit T7150 EB“ mit einem Fiat Ducato als Basisfahrzeug. Hier liegt der Stickoxid-Wert um das Neunfache höher als angegeben. 

Doch es gibt auch Wohnmobile, deren Stickoxidwerte zwanzigmal höher sind als angegeben. Das ergab eine Messung des ARD-Magazins „Plusminus“: Bei einem Wohnmobil, das auf dem Modell Fiat-Ducato basiert, liegen die Stickoxidwerte so hoch, dass das Fahrzeug eigentlich nur noch Euro Null erreicht.

Die angegebene Euro 6 Norm wäre damit nicht nur eine Irreführung, sondern würde dem Besitzer auch bei einem eventuellen Verkauf des Wohnmobils Probleme bereiten. „Wenn ich das Auto verkaufen will, habe ich den Schaden“, so Wohnmobil-Besitzer Armin Kusch im Plusminus-Beitrag.

Nach den Angaben von Verbraucherhilfe24 und Partneranwälten sind auch Fahrzeuge dieser Wohnmobilhersteller betroffen:

  • Biomobil
  • Bocklet
  • Carthago
  • Concorde
  • Dethleffs
  • Dopfer
  • Form IT
  • Kerkamm
  • Laika
  • Morelo
  • Niesmann Bischoff
  • Notin
  • Pilote
  • Le Voyageur
  • Phoenix
  • Protec
  • Swift
  • Woelcke

Bereits im Jahr 2016 wies die Deutsche Umwelthilfe (DUH) bei Fiat-Abgasmessungen erhebliche Abweichungen nach. Demnach schaltet sich die Abgasreinigung nach 22 Minuten Straßenbetrieb einfach ab. Auch der ADAC stellte Untersuchungen beim Fiat Ducato an – mit ähnlichem Ergebnis: Im Fahrbetrieb stieß der Fiat Ducato ca. 1200 mg Stickoxid. Erlaubt sind bei der Euro 5 Norm allerdings nur 180 mg.

Hintergründe zum Wohnmobil-Fiat-Abgasskandal

Seit 2020 ermitteln die Strafverfolgungsbehörden im Fiat-Abgasskandal. Auch die EU-Kommission hatte gegen Fiat-Chrysler-Automobiles ein Verfahren eingeleitet. Am 22. Juli 2020 durchsuchten Ermittler der Staatsanwaltschaft Frankfurt zehn Gewerbeobjekte in Baden-Württemberg und Hessen sowie Objekte in Frankfurt am Main, in der italienischen Region Piemont und im Schweizer Kanton Thurgau.

In verschiedenen Modellen von Iveco und Magirus sollten Motoren mit einer unzulässigen Abschalteinrichtung verbaut gewesen sein. Nach ersten Angaben könnten in Deutschland 200.000 Fahrzeuge betroffen sein, darunter viele Wohnmobile.

Bis dato konnten die Fahrzeughersteller sich gegen eine Klagewelle stemmen. Doch seit den Durchsuchungen im Sommer 2020 wird die Lage für die Fahrzeughersteller immer brenzliger.

Droht Stilllegung für Fiat Wohnmobile?

Der Fiat Abgasskandal gestaltet sich derzeit schon recht dramatisch. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Frankfurt können Stilllegungen und Fahrverbote drohen, da die Fahrzeuge möglicherweise nicht mehr genehmigungsfähig sind.

Was passiert mit Diesel-Wohnmobilen?

  • Wenn Sie ein vom Abgasskandal betroffenes Wohnmobil besitzen, ist Schadensersatz möglich.
    Wichtig: Wenn Sie nachträgliche Einbauten an Ihrem Wohnmobil vorgenommen haben, erhöhen diese den Wert. Dies kann sich positiv auf Ihren Schadensersatz auswirken.
  • Weiterhin ist eine Nachrüstung für betroffene Wohnmobile möglich. Diese soll voraussichtlich im Sommer 2021 kommen und ca. 7.000 Euro kosten.
    Die Betroffenen müssen diese Kosten voraussichtlich selbst tragen.
  • Wer seinen Diesel noch nicht lange besitzt, kann eventuell auch über die zweijährige Gewährleistungsfrist Ansprüche gegen den Händler durchsetzen.

In jedem Fall sollten sich vom Fiat-Abgasskandal Betroffene so schnell wie möglich informieren und zügig handeln, um möglichen Verjährungsfristen zu entgehen.

*Es handelt sich um sogenannte Versäumnisurteile. Diese ergehen, wenn ein Gegner, in dem Fall Fiat, nicht zur Verhandlung erscheint. Die andere Partei kann Widerspruch einlegen. Die Urteile sind nicht rechtskräftig. (Stand 30.09.2021)

Test von PLUSMINUS: Ein Fiat-Wohnmobil ist enorme Dreckschleuder

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